Wasserkraft

Deutscher Mühlentag 2014 am Pfingstmontag 09.Juni 2014

Mühlen nutzen Wind und Wasserkraft seit Jahrtausenden

Erneuerbare Energien sind keine neue Erfindung. Wind- und Wassermühlen nutzen sie schon lange. Heute liegen ihre Kapazitäten vielfach brach. Manche Historiker betrachten die Erfindung der Mühle als "erste industrielle Revolution". Durch sie wurde es dem Menschen erstmals möglich, etwas anderes als reine Muskelenergie einzusetzen. Er machte sich die Kraft von Wind und Wasser nutzbar.

Erfunden wurde die Wassermühle - soweit wir wissen - ein paar Jahrzehnte vor Christi Geburt in Mesopotamien. Einfache Tretmühlen gab es da bereits seit über einem Jahrtausend. Vermutlich wurden die ersten Mühlen für die Bewässerung genutzt, sehr bald aber auch für das Mahlen von Mehl. Das war bis dahin eine sehr anstrengende, sehr zeitraubende und sehr unbeliebte Beschäftigung gewesen. Wenn es in der Bibel heißt: "vom Sohn des Pharao auf seinem Thron bis zum Sohn der Sklavin, die die Mühlsteine dreht", dann ist sofort klar, dass es sich hier um die beiden entgegengesetzten Enden der gesellschaftlichen Stufenleiter handelt.

Römer brachten die Erfindung der Mühle aus Mesopotamien mit. Sie wanderte über die Alpen und verbreitete sich in Mitteleuropa. Während der finsteren Jahre des Mittelalters wurde sie wie so manches andere Kulturgut hauptsächlich von den Klöstern erhalten und weitergegeben, aber bereits im 13. Jahrhundert hatte sie sich so verbreitet, dass in Deutschland eine Mühle auf hundert Haushalte kam und einen großen Teil der benötigten Energie lieferte. Ohne sie wäre diese Glanzzeit des Hochmittelalters nicht vorstellbar. Und auch die Funktionen der Mühle hatten sich vervielfacht. Sie war nicht mehr allein dazu da, Mehl zu mahlen und Wasser zu schöpfen. Sie tat alles, wofür man eine gleichmäßige Bewegung braucht. Sie sägte Baumstämme zu Balken und handlichen Brettern, schlug erzhaltiges Gestein klein und zermalmte Lumpen zu Brei, presste das Öl aus Samen und trieb Schmiedehämmer. An eine Mühle ließ sich jede Maschine anschließen, die man über einen Treibriemen antreiben konnte. Die Erfindung der Dampfmaschine sorgte zunächst nur für eine grössere Flexibilität beim Standort. Bis heute wird im englischsprachigen Raum eine Fabrik als "mill" bezeichnet.

Dabei hatte sich die Technik der Energiegewinnung fortentwickelt. Es wurden Deiche gebaut, die den Wasserstand die meiste Zeit des Jahres auf dem gleichen Stand hielten und damit für eine gleichmässige Energiezufuhr sorgten. Das Mühlrad selbst hing nicht mehr unbedingt ins Wasser, sondern es war das oberschlächtige Mühlrad erfunden, auf das ein dünner Wasserstrahl von oben gelenkt wird. Auf diese Weise konnte man auch die Wasserkraft kleiner Bäche optimal ausnutzen. In grösseren Bächen wurden mehrere Räder hintereinander geschaltet. Es wurden Hebevorrichtungen entwickelt, um die Mühlräder dem Wasserstand anpassen zu können. Und auch die Schaufeln der Räder und die Getriebe der Umsetzung wurden immer weiter verbessert. Und schließlich wurde die Turbine erfunden, mit der viele Mühlen angetrieben werden, die noch in Nutzung sind. Gegenüber Sonne und Wind haben sie den Vorteil, dass sie das so ziemlich ganzjährig und rund um die Uhr tun - Jahrhunderthochwässer einmal ausgenommen. Sie tun es dezentral und brauchen keine Starkstromüberlandleitungen. Und schliesslich sind sie nicht darauf angewiesen, dass die Sonne scheint und der Wind weht. Sie tun es überall, wo es Flüsse oder Bäche gibt und wo das Wasser bergab läuft.

Somit ist die Wasserkraft die umweltfreundlichste Energiegewinnung schlecht hin.

IDie ökologische sowie biologische Wasserqualität wird durch Wasserräder wesentlich verbessert. Eine Beeinträchtigung der aquatischen Vielfalt in unseren Wasserkörpern ist durch Mühlen nicht gegeben. Hierzu fehlen auch jegliche wissenschaftliche Langzeitstudien. Vielmehr ist aber beweisbar, dass Mühlen und Fischreichtum in der Vergangenheit symbiotisch waren.

Der Erhalt und die Pflege von wasserbaulichen Anlagen und von Querbauwerken sind dringlicher denn je. Die Stromgewinnung mit derartigen Anlagen ist ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz. Unsere Mühlen sind außerdem ein unzertrennliches Element des kulturellen Erbes und haben hier Kommunikationsaufgaben übernommen wie, die Förderung des regionalen Tourismus und die Vermittlung von Bildung und Tradition.

Mühlen sind Zeitzeugen der Technikentwicklung und als geschützte Denkmale mit ihrer imposanten Funktionalität der Nachwelt zu erhalten. Sie sind aber auch im Hinblick auf die Welternährungssituation im Schatten der Globalisierung wesentlich mehr in das Bewusstsein der Bürger gerückt. Es wird auf mancher  alten Mühle wieder biologisches Mehl und ökologischer Strom gemahlen. Somit sind wir zum Erhalt und zur Aktivierung dieser wasserbaulichen Anlagen und zur Steigerung der CO² freien Stromerzeugung nicht nur aufgerufen, sondern verpflichtet.

 

[Home] [Geschichte] [Photo Gallery] [Links] [Impressum]